Aktuelle Ausgabe

Nicht nur ein gemeinsames Dinner unter Literaturfreunden: Unser Titelfoto ist 1952 auf dem Jahrestreffen der Gruppe 47 in Niendorf an der Ostsee entstanden, und zeigt rechts Paul Celan, aus dessen Bildbiografie (S. 62/63) wir das Foto entliehen haben. Er hat auf dieser Tagung für seinen Vortrag der »Todesfuge« zu Unrecht das ertragen müssen, was wir heute als »Shitstorm« bezeichnen würden. Schlimm, aber trotzdem haben sie hier miteinander gestritten, geredet, um Meinungen gerungen. Dieses Miteinander ist heute mehr und mehr in Gefahr, und deswegen strahlt dieses Bild für uns etwas Optimistisches aus, denn wir brauchen mehr Diskurs, mehr Diskussion »miteinander«, trotz und gerade wegen aller Widersprüche. Widersprüche hat es in der Gruppe 47 nämlich durchaus gegeben. Zwischen Celan und Milo Dor, auf dessen Veranlassung Celan zur Gruppe 47 eingeladen worden war und dessen hundertster Geburtstag vor einem Jahr begangen wurde, saß – siehe Foto – Ingeborg Bachmann, eine der wenigen Frauen der Gruppe. Und eben diesen wenigen Frauen der Gruppe 47 hat Nicole Seifert ihr neues Buch gewidmet (S. 50).

Paul Celan war in Czernowitz aufgewachsen, ebenso wie seine entfernte Cousine Selma Merbaum. Im Februar war ihr einhundertster Geburtstag zu begehen. Rechtzeitig dazu ist ihre Biografie in einer überarbeiteten Fassung neu erschienen (S. 58). Im Gegensatz zu Celan hat sie die Nazizeit nicht überlebt, sie ist 1942, mit 18 Jahren, in einem Arbeitslager an Fleckfieber gestorben, und so sind nur 57 Gedichte von ihr erhalten. Wir können nur erahnen, welch grandioses Talent hier durch Gewalt und Terror verhindert worden ist. Es zeigt uns, wie wichtig der Schutz vor Diktatur, Gewaltherrschaft und Intoleranz ist, welchen hohen Wert Freiheit und Demokratie mit Offenheit und Transparenz haben.

»Alles außer flach!« – lautet das Motto des Gastlandauftrittes der Niederlande und Flanderns auf der Leipziger Buchmesse, und in der Tat haben sie Herausragendes zu bieten über AutorInnen wie Harry Mulisch und Leon de Winter hinaus. Wir haben dieser reichen Literaturszene deshalb einen besonderen Platz eingeräumt.

Auch 2024 ist wieder ein Jahr der Jubiläen. Mit Caspar David Friedrich, Christoph Hein, Erich Kästner, Franz Kafka und Selma Merbaum eröffnen wir einen Reigen, in dem alte Bücher wieder ins Licht gerückt, und neue Bücher vorgestellt werden. Wir werden ihn in den kommenden Ausgaben fortsetzen.

Zum Abschluss ein Blick in die eigenen Reihen: Emily Grunert, die derzeit in Rostock das Projekt Weltenschreiber leitet und in der Vergangenheit vertretungsweise Programmleiterin des Literaturhauses Rostock war, ist vor zwei Jahren als Rezensentin zur »Lesart« gestoßen. Nun übernimmt sie in Düsseldorf die Leitung des Literaturbüros NRW. Wir wünschen ihr viel Erfolg mit ihrer anspruchsvollen neuen Aufgabe – und hoffen natürlich, dass sie nebenbei weiterhin Texte für unsere Zeitschrift schreiben wird.


Manfred Keiper und das »Lesart«-Team

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Die nächste »Lesart« erscheint im Juni 2024

Über uns

Die Lesart ist ein unabhängiges Journal für Literatur und erscheint seit 1994 quartalsweise in Deutschland. Der Vertrieb erfolgt an DirektabonnentInnen und an gegenwärtig ca. 350 Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Herausgeber

Die Lesart wurde von dem in Stralsund an der Ostsee gebürtigen Journalisten und Publizisten Dr. Karsten Schröder 1994 mit Freunden in Bonn als „anderes Literaturmagazin“ gegründet, seit Ende der 90er Jahre von ihm in Rangsdorf bei Berlin weitergeführt. 2019 hat Manfred Keiper (andere buchhandlung) die Lesart übernommen und fungiert als Herausgeber und Verleger. Die Lesart erscheint seitdem in Rostock – ebenso an der Ostsee.

Mitwirkende

Herausgeber: Manfred Keiper (V.i.S.d.P.)
Chefredakteur: Matthias Schümann
Redaktion: Jacqueline Dubberke, Manfred Keiper
Gestaltung: Agentur Novación Grafikdesign, Rostock
Satz, Layout: Gundula Dinse, www.novacion.de
Druck/Vertrieb: TZ-Verlag & Print GmbH, Roßdorf, www.tz-verlag.de

Als RezensentInnen arbeiten über 20 BuchhändlerInnen, JournalistInnen; PublizistInnen und GeisteswissenschaftlerInnen an der Lesart mit.

Konzept & Inhalt

Die Lesart ist ein Journal für Literatur und erscheint vier Mal im Jahr als Printmagazin. Auf 80 Seiten und vier Umschlagseiten im DIN A4-Format werden jeweils ca. 60 – 70 aktuelle Bücher aus den Bereichen Literatur, Kinder- und Jugendbuch sowie Sachbuch, insbesondere aus den Bereichen Geschichte und Kulturgeschichte, Kunst, Musik und Theater, Biografien, sowie Politik und Populärwissenschaften.

Die Redaktion ist in der Auswahl der rezensierten Titel unabhängig. Die Auswahl erfolgt durch die Redaktion in Korrespondenz mit den RezensentInnen. Wir besprechen Bücher, die wir auch selbst lesen und ins Regal stellen möchten.

Die Lesart erscheint ausschließlich in deutscher Sprache.

Der Vertrieb erfolgt zum einen an DirektabonnentInnen, zum anderen über ca. 350 Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die die Lesart weiterverkaufen oder als Kundenmagazin einsetzen.

Die Lesart finanziert sich durch Anzeigen, Abonnementsgebühren und die Beiträge für die Marketingexemplare.

Mediadaten

Unsere aktuellen Mediadaten für 2024 finden Sie hier.

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