Aktuelle Ausgabe

Nach dem Hitzesommer kippt das Jahr in den Herbst. Welche Wendepunkte stehen uns noch bevor ‒ klimatisch, politisch, gesellschaftlich? Diese Gedanken bewegten uns beim Betrachten des Bildes auf unserer Titelseite. Die Aufnahme stammt aus einem Buch über Grönland (S. 58). Grönland? Allein der Name setzt geopolitische Assoziationen in Gang. Im Bild sehen wir einen Sonnenuntergang. Gleichzeitig einen Wendepunkt, der eingefangene Moment hält nur kurz, bevor etwas Neues beginnt.

Wir haben für diese Ausgabe der LESART wieder anregende Bücher zusammengetragen. Natürlich waren unsere Listen mit Titeln deutlich länger. Zum Beispiel die mit Büchern aus Tschechien, dem Gastland der Frankfurter Buchmesse. Vorerst nicht ins Heft geschafft hat es z.B. der wunderbare, konzentrierte Text »Ida« (Weidle) von Helena Černohorská. Lang war auch die Longlist zum Deutschen Buchpreis. Und auch daraus schafften wir nur einen Ausschnitt. Noch nicht ins Heft gekommen ist der empfehlenswerte heitere, gleichzeitig tieftraurige und ungemein aktuelle Roman »Anton und Alma« (Suhrkamp) von Dana Vowinckel. 

Eine weitere Liste ist zu erwähnen, sie wird nicht weitergeführt: die der Texte von Helmut Lethen in der LESART. Helmut schrieb in den vergangenen Jahren immer wieder für uns, seine hintergründigen Rezensionen lasen wir gern. Genauso wie wir gern seine Bücher rezensierten, zuletzt »Stoische Gangarten« (Rowohlt). Helmut Lethen war ein Autor, dessen Bücher mit den Jahren immer zugänglicher und persönlicher wurden. Berühmt machte ihn seine Untersuchung zu den »Verhaltenslehren der Kälte« (1994, Suhrkamp). In seinen späteren Werken wie »Der Sound der Väter« (2006) oder das preisgekrönte »Der Schatten des Fotografen« (2014, alle Rowohlt) vermischte er Privates mit Historie, Genres und Disziplinen. Nationalsozialismus und Krieg, Macht und die Korrumpierbarkeit brillanter Köpfe waren seine Themen.

Helmut Lethen kam 1939 in Mönchengladbach zur Welt, der Zweite Weltkrieg gehörte zu seinen frühesten Kindheitserlebnissen. 1968 schlug sich der revoltierende Germanist auf die Seite maoistischer Splittergruppen. Dies verwehrte ihm den Weg in den akademischen Betrieb, Lethen wanderte in die Niederlande aus. Mitte der 1990er kam er zurück, zunächst an die Universität Rostock. Dort lernte ihn auch der LESART-Chefredakteur kennen. Lethens Seminare glichen damals eher Debattierclubs als Lehrveranstaltungen. Wer dem Professor (und sich selber) beim Denken zuschauen wollte, war dort richtig. Wer Prüfungswissen notieren und abhaken wollte, war dort eher falsch. Später lebte und lehrte Lethen in Wien.

In Rostock lernte Lethen auch seine Frau Caroline Sommerfeld kennen. Sie wurde später als Aktivistin und Publizistin der Identitären bekannt. Die weltanschauliche Differenz der Eheleute beschrieb Lethen in seiner Autobiografie »Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug« (2020). Das sorgte für Aufsehen: Als altlinkes und neurechtes Paar schafften sie es in die New York Times.

Wir sind traurig, dass Helmut Lethen am 13. August gestorben ist. Wir werden nicht aufhören, seine Bücher zu lesen, die Liste ist lang. Sie bieten ein inellektuelles Vergnügen, das letztlich heiter stimmt. Vielleicht ist auf dem Grönland-Foto der Titelseite doch ein Sonnenaufgang zu sehen? 

Ihr Lesart Team

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Auslieferung am: 18.09.2026

Die nächste LESART erscheint im November 2026

Über uns

Die Lesart ist ein unabhängiges Journal für Literatur und erscheint seit 1994 quartalsweise in Deutschland. Der Vertrieb erfolgt an DirektabonnentInnen und an gegenwärtig ca. 350 Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Herausgeber

Die Lesart wurde von dem in Stralsund an der Ostsee gebürtigen Journalisten und Publizisten Dr. Karsten Schröder 1994 mit Freunden in Bonn als „anderes Literaturmagazin“ gegründet, seit Ende der 90er Jahre von ihm in Rangsdorf bei Berlin weitergeführt. 2019 hat Manfred Keiper (andere buchhandlung) die Lesart übernommen und fungiert als Herausgeber und Verleger. Die Lesart erscheint seitdem in Rostock – ebenso an der Ostsee.

Mitwirkende

Herausgeber: Manfred Keiper (V.i.S.d.P.)
Chefredakteur: Matthias Schümann
Redaktion: Jacqueline Dubberke, Manfred Keiper
Gestaltung: Agentur Novación Grafikdesign, Rostock
Satz, Layout: Gundula Dinse, www.novacion.de
Druck/Vertrieb: TZ-Verlag & Print GmbH, Roßdorf, www.tz-verlag.de

Als RezensentInnen arbeiten über 20 BuchhändlerInnen, JournalistInnen; PublizistInnen und GeisteswissenschaftlerInnen an der Lesart mit.

Konzept & Inhalt

Die Lesart ist ein Journal für Literatur und erscheint vier Mal im Jahr als Printmagazin. Auf 64 Seiten und vier Umschlagseiten im DIN A4-Format werden jeweils ca. 50 – 60 aktuelle Bücher aus den Bereichen Literatur, Kinder- und Jugendbuch sowie Sachbuch, insbesondere aus den Bereichen Geschichte und Kulturgeschichte, Kunst, Musik und Theater, Biografien, sowie Politik und Populärwissenschaften, besprochen.

Die Redaktion ist in der Auswahl der rezensierten Titel unabhängig. Die Auswahl erfolgt durch die Redaktion in Korrespondenz mit den RezensentInnen. Wir besprechen Bücher, die wir auch selbst lesen und ins Regal stellen möchten.

Die Lesart erscheint ausschließlich in deutscher Sprache.

Der Vertrieb erfolgt zum einen an DirektabonnentInnen, zum anderen über ca. 350 Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die die Lesart weiterverkaufen oder als Kundenmagazin einsetzen.

Die Lesart finanziert sich durch Anzeigen, Abonnementsgebühren und die Beiträge für die Marketingexemplare.

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